{"id":17,"date":"2014-12-16T20:17:45","date_gmt":"2014-12-16T20:17:45","guid":{"rendered":"http:\/\/techblog.auchmonoabspielbar.de\/?p=17"},"modified":"2014-12-16T20:22:21","modified_gmt":"2014-12-16T20:22:21","slug":"karrierefallen-fuer-softwareentwickler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/techblog.auchmonoabspielbar.de\/?p=17","title":{"rendered":"Karrierefallen f\u00fcr Softwareentwickler"},"content":{"rendered":"<p>Durch meine Arbeit als Entwicklungsleiter f\u00fchre ich nat\u00fcrlich auch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Bewerbungsgespr\u00e4chen durch. Dabei sieht man immer wieder bestimmte Muster, die einen Entwickler in eine Sackgasse f\u00fchren. Ich kann nat\u00fcrlich nur \u00fcber Probleme sprechen, die mir negativ auffallen. Aber ich vermute, dass diese Punkte auch bei anderen Firmen problematisch sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1. Falle &#8211; Unaufrichtige Bewerbungsunterlagen<\/strong><\/p>\n<p>Um es klar zu stellen &#8211; ich erwarte nicht, dass sich ein Bewerber in den Unterlagen selber schlecht macht. Und es ist legitim, sich in einem m\u00f6glichst guten Licht darzustellen. Mit &#8222;unaufrichtig&#8220; meine ich auch nicht gef\u00e4lschte Zeugnisse. Das ist kriminell und muss nicht diskutiert werden.<\/p>\n<p>Mit unaufrichtig meine ich stark \u00fcbertriebene F\u00e4higkeiten. Wenn ein Bewerber sehr gute SQL Kenntnisse angibt, dann erwarte ich zumindest ein solides Wissen \u00fcber die Basics dieses Fachgebiets. In diesem Fall sollte man nicht mit der Frage &#8222;Was ist ein JOIN&#8220; \u00fcberfordert sein.<\/p>\n<p>Eine Fehleinsch\u00e4tzung kann man durchaus akzeptieren. Wenn sich hier aber ein Muster abzeichnet und es in mehreren Gebieten massive Abweichungen in der Bewertung der F\u00e4higkeiten ergibt, stellt sich mir die Frage, ob es der Bewerber allgemein nicht so genau mit der Wahrheit nimmt. Dann ist er f\u00fcr unsere Firma nicht geeignet.<\/p>\n<p>Man muss nicht unbedingt b\u00f6sen Willen unterstellen. Es kann ja sein, dass der Bewerber einfach nur ein wenig realistisches und \u00fcberaus positives Selbstbild hat. Aber auch dann kommt er f\u00fcr eine Anstellung nicht in Frage. Ich h\u00e4tte dann einen mittelm\u00e4\u00dfigen Angestellten, der st\u00e4ndig mit seinem Einkommen und seinen Karrierem\u00f6glichkeiten unzufrieden sein wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. Falle &#8211; absterbende Nischen-Technologien<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt auch heute noch eine gro\u00dfe Anzahl von COBOL Arbeitspl\u00e4tzen und als COBOL Entwickler wird man noch einige Zeit gutes Geld verdienen k\u00f6nnen. Ob es Spa\u00df macht, ist eine andere Frage. Ich behaupte einfach mal, dass COBOL zwar ein absterbender Ast ist, aufgrund seiner weiten Verbreitung aber immer noch keine Nische ist.<\/p>\n<p>Schwieriger wird es bei exotischeren Technologien, wie z.B. Mumps, Progress, Dataflex&#8230;<\/p>\n<p>Wenn man in einem Betrieb nur mit so einer Umgebung arbeitet und dann den Job wechseln muss oder will, hat man ein kleines Problem. Daraus wird ein gro\u00dfes Problem, wenn man sich nicht zumindest privat mit anderen, moderneren Systemen auseinandergesetzt hat.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man argumentieren, dass sich ein guter Entwickler in jede Programmiersprache (schnell) einarbeiten kann. Die Schwierigkeit liegt darin, dass ich im Bewerbungsgespr\u00e4ch kaum herausfinden kann, ob es sich um einen guten Entwickler handelt. Ein Jobangebot w\u00e4re mit einem hohen Risiko verbunden. Zudem finde ich pers\u00f6nlich einen Entwickler, der sich nur f\u00fcr die eine Programmiersprache im Job interessiert und nicht auch mal nach links und rechts schaut &#8211; nun ja, zumindest verd\u00e4chtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. Falle &#8211; Miniunternehmen oder one man shows<\/strong><\/p>\n<p>Ein Job als einziger Entwickler in einem Kleinstunternehmen direkt nach dem Studium kann durchaus reizvoll sein. Mangels Vergleichsm\u00f6glichkeiten ist man in der Firma der Held, der auf magische Art und Weise alle Probleme l\u00f6st. Zumindest was das Thema Programmierung angeht, wird einem niemand in die Arbeit reinreden oder Vorschriften machen. Und man muss sich nicht f\u00fcr Fehler rechtfertigen, solange sie nicht allzu auff\u00e4llig sind.<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Risiko dabei &#8211; man entwickelt sich nicht, oder zu langsam, weiter. Es gibt keine direkten Vorbilder, von denen man erfolgreiche Techniken erlernen k\u00f6nnte. Es gibt keinen Wettbewerb, keinen sozialen Druck, besseren Code zu schreiben.<\/p>\n<p>Ich will damit nicht behaupten, dass man in so einer Position zwangsweise auf einem level mit begrenzten F\u00e4higkeiten stehen bleibt. Aber das Risiko ist gro\u00df und ich habe es bei einigen Bewerbern so gesehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Zu den Fallen 2 und 3 gibt es zum Gl\u00fcck einen Ausweg &#8211; man kann sich selber aktiv Weiterbilden. Im Internet nach best practices Ausschau halten, Tutorials lesen, in einem Open Source Projekt mitarbeiten. Wichtig ist die Interaktion mit anderen Menschen, anderen Denkweisen, anderen Vorgehensweisen. Das geht nur zum Teil w\u00e4hrend der regul\u00e4ren Arbeitszeit, zum Teil muss man es auch in der Freizeit machen. Das ist aber gut investierte Zeit in die Zukunft. Ein Entwickler ist nicht das Hollywood Klischee &#8211; er sitzt nicht 6 Monate im Keller um schlie\u00dflich das revolution\u00e4re Programm abzuliefern. Er muss mit anderen Menschen zusammenarbeiten und sich dabei selber auch weiterentwickeln.<\/p>\n<p>Wenn man der Meinung ist, Computer sind nur w\u00e4hrend der Arbeitszeit ein Thema und in der Freizeit tabu, dann ist man in der IT Branche falsch. Schuhverk\u00e4ufer w\u00e4re vielleicht eine Alternative. Aber m\u00f6glicherweise muss man sich auch dort in der Freizeit \u00fcber aktuelle Modetrends weiterbilden.<\/p>\n<p>Zur Falle 1 gibt es einen einfacheren Ausweg: beim n\u00e4chsten Mal eine realistischere Selbsteinsch\u00e4tzung und etwas mehr Ehrlichkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch meine Arbeit als Entwicklungsleiter f\u00fchre ich nat\u00fcrlich auch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Bewerbungsgespr\u00e4chen durch. Dabei sieht man immer wieder bestimmte Muster, die einen Entwickler in eine Sackgasse f\u00fchren. Ich kann nat\u00fcrlich nur \u00fcber Probleme sprechen, die mir negativ auffallen. 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